WER WIR SIND

UNSERE GESCHICHTE

„WEGE SCHAFFEN, WO ES KEINE GIBT“

Christian Schlierf ergriff den Beruf des Orthopädietechnikers aus dem tiefen Wunsch heraus, anderen Menschen zu helfen.

Nach Abschluss seiner Ausbildung zum Orthopädietechniker und dem Erwerb des Titels Orthopädietechnikermeister setzte Chris seine fachlichen Kompetenzen gezielt ein, um Menschen mit Behinderungen nach Konflikten und Katastrophen zu unterstützen.
Er sammelte umfassende Erfahrungen in der internationalen humanitären Arbeit, unter anderem durch sein ehrenamtliches Engagement nach dem Erdbeben 2004 im Iran sowie nach dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien auf dem Balkan. Diese Einsätze veränderten nicht nur das Leben von Chris selbst, sondern verbesserten nachhaltig das Leben von Tausenden von Menschen.
In diesem Arbeitsumfeld erkannte Chris die zentralen Herausforderungen aus erster Hand: Menschen mit Behinderungen, die dringend auf orthopädietechnische Versorgung angewiesen sind, leben häufig in Regionen mit wenigen oder gar keinen Rehabilitationsdiensten. Hinzu kommt ein gravierender Mangel an qualifizierten Orthopädietechnikerinnen und Orthopädietechnikern sowie an Ausbilderinnen und Ausbildern, die Fachkräfte vor Ort ausbilden können. Diese strukturellen Defizite führen vielerorts zu einer starken Abhängigkeit von externem Fachwissen.

Die Orthopädietechnik ist ein hochspezialisierter Bereich des Gesundheitswesens.

Weltweit verfügen rund 75 % der Länder über keine international anerkannten Ausbildungsprogramme in der Orthopädietechnik. Für die meisten Studierenden besteht die einzige Möglichkeit, eine qualifizierte Ausbildung auf professionellem Niveau zu absolvieren, darin, weit entfernt von ihrem Zuhause zu studieren – oftmals sogar auf einem anderen Kontinent.
Während dieser Ausbildungszeit können die Studierenden in der Regel keiner Erwerbstätigkeit nachgehen und sind dadurch nicht in der Lage, ihren Lebensunterhalt zu sichern oder ihre Familien finanziell zu unterstützen. In einigen Ländern ist ein solcher Bildungsweg aufgrund anhaltender Konflikte, unsicherer Sicherheitslagen oder bestehender Grenzbeschränkungen überhaupt nicht realisierbar.
Chris erkannte früh, dass es kostspielig, ineffizient und wenig nachhaltig ist, Studierende für lange Zeit aus ihrem sozialen und familiären Umfeld herauszulösen. Gleichzeitig können Menschen mit Behinderungen, die dringend auf Prothesen und Orthesen angewiesen sind – etwa Überlebende von Landminen – nicht jahrelang warten, bis ausreichend lokale Rehabilitationsfachkräfte ausgebildet sind.

„ES MUSS DOCH EINEN BESSEREN WEG GEBEN …“

Auf der Suche nach Antworten wandte sich Chris an seinen Mentor Sepp Heim. Sepp war ein Pionier der Orthopädietechnik und hatte zahlreiche Ausbildungsprogramme und Schulen in einkommensschwachen Ländern mit aufgebaut. Statt eine einfache Lösung vorzugeben, gab Sepp die Frage an Chris zurück:„Wenn das System nicht funktioniert, dann finde einen Weg, es zu reparieren.“

Diese Aussage brachte Chris zum Nachdenken. Er stellte sich eine grundlegende Frage:„Wenn Studierende nicht zu den Ausbildungsstätten für Orthopädietechnik reisen können – warum bringen wir die Ausbildung dann nicht zu den Studierenden?

Mit dieser Idee war der Grundstein für Human Study gelegt.

Im Jahr 2005 gründete Chris Human Study in Nürnberg, mit dem Ziel, die traditionelle Ausbildung in der Orthopädietechnik grundlegend neu zu denken. Bereits im darauffolgenden Jahr entwickelten Chris und zwei Kollegen das erste Pilotprojekt: Mehmed Latifagić, Experte für IT und Blended Learning, sowie Emina Hasanović, Übersetzerin und Administratorin.
Das Ziel war klar definiert: 15 Orthopädietechnikerinnen und Orthopädietechniker aus fünf Ländern des westlichen Balkans auszubilden und ihnen den Zugang zu einer international anerkannten Zertifizierung zu ermöglichen.

Sepp Heim with Chris Schlierf

DAS MODELL NEU DENKEN

Das innovative Ausbildungskonzept von Chris, Mehmed und Emina machte es möglich, dass die Studierenden während ihrer Ausbildung in ihren Heimatländern bleiben konnten. Sie waren weiterhin in den Rehabilitationszentren tätig, in denen sie arbeiteten, konnten ihren Lebensunterhalt verdienen und ihre neu erworbenen Kompetenzen unmittelbar in die Praxis umsetzen – indem sie Prothesen und Orthesen verordneten und anpassten.
Nach Abschluss ihrer Ausbildung gaben die Absolventinnen und Absolventen ihr Wissen an die nächste Generation von Orthopädietechnikerinnen und Orthopädietechnikern weiter. Ein Jahr später sicherte sich das Team die erste Finanzierung – Human Study war erfolgreich gestartet.
Bis heute leitet Christian Schlierf Human Study gemeinsam mit Emina, Mehmed und einem stetig wachsenden internationalen Team, das sich dem Ziel verschrieben hat, weltweit positive und nachhaltige Veränderungen zu bewirken.
In den vergangenen 20 Jahren hat Human Study ISPO‑akkreditierte Aus‑ und Weiterbildungsprogramme für über 600 Rehabilitationsfachkräfte in 53 Ländern durchgeführt. Wir haben Schreiner, Ingenieurinnen, Hochschulabsolventen sowie Studierende ohne abgeschlossenen Schulabschluss zu Orthopädietechnikerinnen und Orthopädietechnikern ausgebildet. Unsere Bildungsprogramme führten uns in Länder, die von Krieg und Katastrophen gezeichnet sind – von Afghanistan bis Bosnien, von Syrien bis Sierra Leone.
Wir haben mit geschlossenen Grenzen, geteilten Territorien, Sprachbarrieren und einer globalen Pandemie gearbeitet. In der Ukraine sind wir heute erstmals in einem Land tätig, das sich aktuell im Krieg befindet. Dabei haben wir ein Modell etabliert, das Ausbilderinnen und Ausbilder qualifiziert und Lehrmaterialien frei zur Verfügung stellt, sodass lokale Orthopädietechnikerinnen und Orthopädietechniker unsere Arbeit vervielfältigen und die nächste Generation von Rehabilitationsfachkräften ausbilden können.
Wir erzielen Wirkung – doch es bleibt noch viel zu tun. Während weltweit weiterhin Kriege toben, steigt die Zahl der Menschen, die dringend auf orthopädietechnische Versorgung angewiesen sind.

Wo der Bedarf am größten ist, leisten wir unseren Beitrag.

UNSERE VISION

Unsere Vision ist eine Welt, in der alle Menschen, die eine Prothese oder ein orthopädisches Hilfsmittel benötigen, Zugang zu zeitnaher, bezahlbarer und qualitativ hochwertiger Versorgung haben – unabhängig davon, wo sie leben.

Trotz großer technologischer Fortschritte stoßen Menschen mit Behinderungen weiterhin auf Barrieren, die ihre Teilhabe und ihre Rechte einschränken.

Wir setzen uns dafür ein, diese Barrieren abzubauen und Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

UNSERE MISSION

Unser Ziel ist es, Ausbildung in den Rehabilitationswissenschaften zugänglich zu machen – insbesondere in Ländern, die von Konflikten und Armut betroffen sind.

Dazu bieten wir praxisnahe, kosteneffiziente und international anerkannte Blended-Learning-Programme in der Orthopädietechnik an.

UNSER LOGO

Die drei Figuren in unserem Logo gehen auf ein Foto aus den frühen Jahren von Human Study zurück. Links ist der verstorbene Sepp Heim zu sehen – eine prägende Persönlichkeit der Orthopädietechnik und Mentor unseres Gründers Christian Schlierf. In der Mitte steht ein Student der Orthopädietechnik, rechts Emina Schlierf, Mitbegründerin von Human Study. Sie begann ihre Arbeit als Übersetzerin und ist heute für die Kommunikation verantwortlich.

Im Jahr 2024 haben wir unser Logo weiterentwickelt. Im Zentrum steht nun eine Person mit Behinderung, die eine Prothese nutzt. Damit wird sichtbar, was unsere Arbeit leitet: die Bedürfnisse der Menschen, die auf orthopädietechnische Versorgung angewiesen sind.

Viele unserer Studierenden entscheiden sich für diesen Beruf aus eigener Erfahrung. Sie tragen dazu bei, Versorgung zu verbessern und Perspektiven zu schaffen.